Ausstellung über Erich Paproth
Mit der Ausstellung Erich Paproth – Spuren. Traces. würdigt das Schwule Museum das Leben und Werk des schwulen Künstlers, dessen großzügige testamentarische Zuwendung die Gründung der Stiftung Schwules Museum möglich gemacht hat. Seinem Testament entstammt auch die Idee für einen Kunstpreis, welchen die Stiftung mit Queer Art Berlin verwirklichen wird.
Erich Paproth (1955–2017) war eine vielschichtige Persönlichkeit: Künstler, Theologe, Historiker, Unternehmer, Sammler und unermüdlicher Netzwerker. Geboren in Krefeld ging er trotz familiärer Widerstände unbeirrt seinen eigenen Weg: Ein Studium der Theologie und Geschichte verband er mit einer autodidaktisch entwickelten künstlerischen Praxis.
In Berlin fand er sein Zuhause, künstlerisch wie persönlich. In den 1980er Jahren reflektierte er in seinen Arbeiten seine eigene Homosexualität und brach mit gesellschaftlichen Tabus. Später wurde die Verbindung von Vergänglichkeit, Erinnerung und kulturellem Erbe zum roten Faden seines Werks. Der Verlust großer Teile seines Frühwerks bei einem Atelierbrand 1991 führte zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der legendären Zerstörung der Bibliothek von Alexandria.
Paproth entwickelte eine eigenständige Form der Buchkunst, inspiriert von frühgeschichtlicher Symbolik, arabischer Typografie und der Tradition materialorientierter Malerei. Seine Werke wurden international ausgestellt und fanden ihren Platz in bedeutenden Sammlungen – darunter auch in der Neuen Bibliothek von Alexandria.
Seine Biografie ist geprägt von Brüchen, Aufbrüchen und einer großen Offenheit gegenüber neuen Lebensformen. Als Kunstvermittler und Kurator brachte er arabische Buchkunst nach Deutschland und setzte sich für interkulturelle Dialoge ein. Zugleich war er Unternehmer, Weltenbummler und Visionär eines solidarischen Zusammenlebens.
Die Ausstellung macht das komplexe Schaffen Paproths sichtbar und zeigt, wie sehr persönliches Erleben, gesellschaftliche Themen und kunsthistorische Bezüge in seinem Werk miteinander verwoben sind. Sie ist eine Hommage – und ein Dank.
Mehr zur Ausstellung auf der Website des Schwulen Museums

